
09. September 2026 · 34 Min.
#23 - Wer darf von deinen Fotos lernen? Karlsruhe, San Francisco und eine Liste mit 5,8 Milliarden Bildern. Und Bremen filmt 43 Straßenbahnen.
Ein Berufsfotograf aus Deutschland steht am 3. September um neun Uhr früh vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Aktenzeichen I ZR 281/25. Sein Vorwurf: LAION hat in der zweiten Jahreshälfte 2021 — bevor es die heutigen Bildgeneratoren überhaupt gab — Bilder heruntergeladen und daraus eine Liste mit 5,8 Milliarden Paaren gebaut. In dieser Liste ist eines seiner Fotos.
Zweimal abgewiesen, 2024 und 2025, beide Male in Hamburg. Jetzt Karlsruhe — und er sagt schon jetzt, wenn der BGH nicht mitgeht, geht er weiter zum Europäischen Gerichtshof nach Luxemburg. Am selben Tag beginnt in San Francisco der Prozess, der dieselbe Frage für die andere Hälfte der Welt beantwortet. Heute: zwei Gerichte, eine Nachtsitzung in Genf, Bremens Straßenbahn — und vier Hansel auf einem Vulkan.
In dieser Folge:
🌑 Karlsruhe: Wer darf von deinen Fotos lernen? (01:49) — der Bundesgerichtshof, das Aktenzeichen, und warum eine Liste aus 5,8 Milliarden Adresse-Text-Paaren die eigentliche Frage ist. Nicht das Bild. Das Adressbuch.
🌑 Robert Kretschke und Hamburg (06:15) — Berufsfotograf, spezialisiert auf Stockfotografie, also genau das Geschäft, das die KI zuerst übernommen hat. Landgericht September 2024: kein Delikt. Dezember 2025: hat mit den Bildern nichts zu tun. Er gibt nicht auf.
🌑 San Francisco: Andersen gegen Stability AI (10:25) — gestern, Dienstag der 8. September. Gegen Stability AI, Midjourney, DeviantArt und Runway. Dieselben Kläger haben 2023 vor dem US-Senat ausgesagt. Zwei Gerichte, zwei Kontinente, ein Datensatz.
🌑 Genf, Nachtsitzung (13:14) — am Samstag, 5. September. Rund 128 Staaten stellen sich gegen autonome Waffensysteme. Und in letzter Minute wollen einige Staaten den Text wieder verwässern — genau an der Stelle, wo „menschliches Urteil" steht. Hundert Roboter mit Kalaschnikow auf dem Rücken: heißt das, du brauchst hundert Menschen auf der anderen Seite?
🌑 Bremen: der Staat als Leibwächter (18:14) — seit April 2025 fährt AI Watch. 14 Bahnen, neun bis elf Kameras, ein Rechner an Bord, Aufnahmen bleiben 72 Stunden auf der Festplatte. 10.000 Euro pro Fahrzeug. Bis Jahresende 43 Bahnen — ein Drittel der Flotte. In der Pilotphase: 16 gemeldete Vorfälle, vier bestätigt.
🌑 Und dann China (22:16) — am 7. September meldet China eine neue KI gegen Betrug. Hundert, zweihundert Millionen Nutzer, und die South China Morning Post berichtet schon von Beschwerden. Und dann sagt der Betriebsrat in Deutschland nein zur Meeting-Aufnahme — während Bremen 43 Straßenbahnen filmt.
🌑 Vier Hansel auf einem Vulkan (26:13) — 4.000 Meter. Gemini sagt: an einem Tag rauf und runter, mach dir keine Sorgen. Gemini sagt nicht: nimm genug Wasser. Gemini sagt nicht: wenn du mittags nicht oben bist, dreh um. Sie waren um 19 Uhr oben. Dazu Barcelona: 700 simulierte Gespräche, und in 350 von 350 Fällen sagt die KI „geh zum Arzt" — solange du nicht widersprichst.
🧵 Der Mittwochs-Faden (31:42) — zwei Staaten, in denen unsere deutschen Freunde sagen würden, bei uns gibt es keine Massenüberwachung. Und dann schaut man nach Bremen.
Eine Sache für diese Woche: nimm die letzte wichtige Antwort, die dir eine KI gegeben hat, und frag sie noch einmal — aber widersprich ihr. Wenn sie einknickt, hast du nie ihr Urteil bekommen. Du hast dein eigenes zurückbekommen.
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KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib neugierig. Bleib menschlich.
Das Transkript wird ergänzt.
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